So pervers ist Tölzbad!

Kultur | MICHAEL LOEBENSTEIN | aus FALTER 16/03 vom 16.04.2003

FILM Das eigenwillige eklektische Werk des Kanadiers Guy Maddin fusioniert Stummfilmszenarien mit Trash und schwarzem Humor. 

Guy Maddin, der Erfinder international hoch gelobter Schmalfilmepen, war aufgrund des Irakkrieges zur Eröffnung seiner eigenen Retrospektive nur in Form einer Videoaufzeichnung zugegen. Schade, aber eigentlich höchst konsequent - denn auch die Filme des 1956 im eisigen Winnipeg geborenen Filmemachers geben artifiziellen, im Refugium des eigenen Heimstudios entworfenen Welten jederzeit den Vorzug vor der "authentischen" Gegenwart.

  Was ist das, ein "Maddinfilm"? Zuallererst einmal ein Coup der Verblüffung, ein scheinbarer Anachronismus. So beharrt der Filmemacher beispielsweise stur auf dem körnigen Charme "obsoleter" Schmalfilmformate wie Super-8, auf krachigem, knisterndem Ton und den Fehlfarben des frühen Kinos. Die amateurhafte Anmutung seiner unter anderem am frühen europäischen Melodrama, dem Weimarer Kino oder dem sowjetischen Revolutionsfilm geschulten


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