Gedehnter Herzschlag

Kultur | MICHAEL OMASTA | aus FALTER 16/03 vom 16.04.2003

FILM. Dem großen Stilisten Franz Planer, der unter anderem für Willi Forst, Max Ophüls und John Huston die Kamera führte, ist eine - leider lückenhafte - Retrospektive gewidmet. 

Unbemerkt hat sich Lisa, die Unbekannte, Zutritt zur Wohnung ihres Geliebten verschafft. Verstohlen, im Halbdunkel, wandert sie über den Flur und durch die Zimmer, blickt aus dem Fenster hinaus auf Wien, verweilt vor einem Möbel, betrachtet sich kurz im Spiegel. Der hier wohnt, weiß nichts von Lisas stiller Bewunderung, von der diese lange, virtuos choreographierte Kamerasequenz erzählt: Bewegung und Innehalten, der kaum merkliche Wechsel von direkter und subjektiver Perspektive - ein Bilderfluss im wahrsten Sinne des Wortes.

  Einstellungen wie diese, Plansequenzen genannt, waren das Markenzeichen des 1894 im böhmischen Komotau geborenen, 1963 in Hollywood gestorbenen Kameramanns Franz Planer. Sie finden sich in etlichen seiner berühmten Filme wieder: von "Die drei von der Tankstelle" (1930), einem


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