SPIELPLAN

Kultur | HELMUT PLOEBST | aus FALTER 16/03 vom 16.04.2003

Es ist keine Kleinigkeit, wenn sich ein Choreograph Samuel Becketts "Quadrat" vorknöpft. Bert Gstettner hat in seiner neuen Arbeit "Quadrat*Quadrat" eine kleine Beckettografie gewagt, die den Witz und die Gewitztheit des in seinem Spätwerk von Raum-Zeit-Körper-Konstruktionen faszinierten Meisters zum Ausdruck bringt. Der Raum 1020, eine ehemalige Reithalle in der Blumauergasse, bietet eine intime Atmosphäre, die Gstettner und seine Tanz*Hotel-Performer gut zu nutzen wissen. Sie gehen in Kapuzenmänteln ein Quadrat ab, werfen sich auf einem anderen wild zu Boden, bilden Quadratfiguren als Tableaux vivants, grimassieren, plappern und gestikulieren sehr lebendig. Trotz einiger Schwachstellen: eine ehrliche, sparsame, sehenswerte Arbeit.

  Mit Reduktion der Mittel arbeitet auch Nikolaus Selimov vom tanztheater homunculus in seinem jüngsten Stück "n.n.", das zurzeit im Semper-Depot zu sehen ist. Sechs No Names (n.n., lat. "nomen nescio", bedeutet "Name unbekannt") stellen sich auf die anfangs neonblaue Bühne. Klobige und kalte Orchestermusik von Christian Ofenbauer ertönt, sechs Tänzer tragen maskenhaft wie von der Wucht der Klänge gewatschte Betroffenheitsgesichter. Die Menschen hinter diesen Larven lassen ihre gefälligen Körper tanzen, stellen traumverlorene Monaden dar: steil frisiert, gut gekleidet, aber irgendwie schief gewickelt. Die thematische Nähe zu Philipp Gehmachers autistischem Stück "mountains are mountains", das unlängst im Tanzquartier Wien zu sehen war, liegt auf der Hand; aber während Gehmacher eine eigenständige choreographische und tänzerische Ästhetik entwickelte, begnügt sich Selimov mit Bewährtem - was den anfänglichen Reiz von "n.n." schnell kippen lässt. Übrig bleiben ölige Prätention und künstlerische Leere hinter einigen tänzerischen Zaubertricks.


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