VOR 20 JAHREN IM FALTER

Vorwort | aus FALTER 17/03 vom 23.04.2003

Bücherverbrennung. 1983 war es gerade fünfzig Jahre her, Zeit für Gedenkveranstaltungen und Ausstellungen. Der Falter brachte Auszüge aus einem längeren Katalogtext zu einer solchen. Der Autor setzte sich mit der Vorgeschichte der nationalsozialistischen Fanale auseinander und wies darauf hin, dass bereits in den 1920er-Jahren die traditionelle Verbindung von Besitz und Bildung zugunsten eines Primats der Politik beiseite geschoben worden war. Im Austrofaschismus war es mit Liberalismus sowieso vorbei. "Nach den Februarkämpfen spielten die Zensurbehörden und die Polizei mit der Literatur, dem Theater und der Kunst Katz und Maus. Zehntausende Bücher wurden aus den Volksbüchereien verschleppt. Der März 1938 führte zu einer abermaligen Verdrängung der Kulturspitzen, aber gerade bei der Literatur gab es eine erstaunliche Kontinuität." Der Autor, der hier Menschen und Bücher verteidigt, heißt Alfred Pfoser und war damals ein junger Germanist. Heute leitet er die Wiener Städtischen Büchereien.

  Was sonst geschah: Die eben erschienene und vom Falter vernichtend kritisierte Illustrierte Basta brachte ihre zweite Augabe heraus und erntete: "Unfassbar! Sie hat sich Kritik zu Herzen genommen. Unverständlich! Denn dadurch hat sie das einzige verloren, was ihr irgend Interesse sichern konnte: Die verzweifelte Großmäuligkeit, die wahnwitzige Kunst-Sehnsucht der Marktprofis, den getriebenen Ehrgeiz, der nach vor zu stürzen glaubt, wo er doch bloß den Boden unter den Füßen verliert." Bekanntlich haben sie nachgegeben und auf uns gehört. A.T.


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