STREIFENWEISE

Kultur | DREHLI ROBNIK | aus FALTER 17/03 vom 23.04.2003

Im Superheldenteam von "Jackass - The Movie" hat jeder seine Fähigkeit, die es zu kultivieren gilt, oft unter Schmerzen: Johnny Knoxville kann sich von einem Babyalligator in die Brustwarze beißen lassen; Steve-O kann beim Japaner Wasabi schnupfen, bis er in die Sushi kotzt (und dann weiterschnupfen); Chris Pontius kann sich ein Spielzeugauto in den Arsch stecken, da staunt fürbass der Röntgenarzt. Die Kinoversion der MTV-Reality-Stunt-Erfolgsserie "Jackass" frönt derselben Digicam-Räudigkeit (nun ohne Zensurmosaik und -pieps) im rasend sturen Ablauf derbster practical jokes und freiwilliger Selbstverstümmelung. Im zur Freakshow und Materialaktion mutierten Dauerskikurs zelebrieren/besudeln der Skaterszene Entwachsene kichernd ihr Ganzkörper-Ich (Frauen und Nichtweiße kommen selten und nur als Publikum der Stunts ins Bild). Zwischen nihilistischer Gebrauchswertvernichtung und flexibler Produktivkraftentfaltung bietet "Jackass" Brachialsituationismus: Jeder Körperteil, jede soziale Konstellation kann zur kreativen Nutzung umgewidmet, ja selbst die Krücke kann, wie es heißt, zum Szepter werden - oder zum "Jackass"-Logo (Totenkopf, darunter zwei gekreuzte Krücken). Ein Meilenstein des Slapsticks und jeglicher Filmkultur, die sich dem Körper in seiner prekären Präsenz widmet, dem nackten Leben als permanenter Katastrophe, dem Anus als Abschussrampe von Feuerwerksknallern. Wer das so leiwand findet wie ich, sollte es sich anschauen (und das Ende des Abspanns abwarten!).

  Co-Producer von "Jackass" ist übrigens Spike Jonze, Regisseur der auf andere Weise weirden Filme "Being John Malkovich" und "Adaptation"; von deren Drehbuchautor Charlie Kaufman wiederum stammt das Skript zu George Clooneys Regieerstling "Confessions of a Dangerous Mind", und der startet diese Woche auch.


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