VOR 20 JAHREN IM FALTER

Vorwort | aus FALTER 18/03 vom 30.04.2003

Festwochenzeit in Falter 10/1983. Ein "Türkenjahr" war bei den Festwochen angesagt. Die Festwocheneröffnung (mit Janitscharenkapellen aus der Türkei) war von Schreichören gestört worden. In einer Stellungnahme für den Falter fragten die Aktivisten: "Was soll in diesem Türkenjahr eigentlich gefeiert werden? War es den Armen damals nicht wurscht, ob sie von den Babenbergern oder den Osmanen ausgepresst und unterdrückt werden sollten? Hatten die kriegsführenden Parteien nicht die gleichen expansionistischen Bestrebungen?" Es waren zwar die Habsburger, aber bei derlei Kleinigkeiten hielt man sich nicht auf. Schließlich ging es ums historische Ganze und um die "faschistischen Janitscharenkapellen". Sie "unterstehen heute der türkischen faschistischen Armee und werden im Sinne der ,Völkerverständigung' im Ausland präsentiert. In der BRD wird diese Tradition von den Grauen Wölfen (eine faschistische paramilitärische Organsation) weitergeführt", erklärten die Aktivisten. Weitere Aktionen seien geplant. Immerhin war das Flugblatt nicht komplett abgedruckt, sondern auszugsweise zitiert. Zudem brachte Falter-Kunstkritiker Markus Brüderlin eine Vorschau auf eine Ausstellung von zwölf zeitgenössischen türkischen Künstlern, nicht ohne den Hinweis, dass diese allesamt im Exil lebten und dass kein einziger Künstler aus der Türkei von der dortigen Regierung eine Ausfuhrgenehmigung erhalten habe. Abgerundet wurde der Türkeischwerpunkt durch eine Ankündigung des Stadtbuchs Wien 1983 (Falter Verlag), die durchgehend so tat, als würde ein neuer Istanbul-Führer vorgestellt. Titel: "Durchs wilde Turkestan". A. T.


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