FERNSEHEN

Medien | JULIA ORTNER | aus FALTER 18/03 vom 30.04.2003

Selten sah ich diesen abgeklärten Mann so erregt. "Sie bringen die ,Sopranos' nicht mehr!", rief Falter-Filmchef Michael Omasta empört ins Mädchenzimmer. Das ZDF will die vierte Staffel der großartigsten Mafiaserie aller Zeiten rund um den neurotischen Paten Tony und seine gestörte Familie nicht mehr synchronisieren und senden, der ORF schließt sich dem an. Wahnsinn, ein echter Skandal! War das doch die einzige Fernsehsache, bei der mich Omasta nicht verächtlich anschnaubte, wenn ich von der letzten Folge schwärmte - nein, er sprach sogar mit mir über Tonys Leiden an der Welt und an seinem harten Job als Mafioso. "Die Sopranos", die intelligenteste, schrägste und böseste Realsatire auf die Mafia und den amerikanischen Way of Life, war wohl ein paar zu katholischen Unterhaltungsmenschen zu wenig katholisch - dabei lebt die Serie quasi vom Italokatholizismus. Die geniale Kombination aus fiesem Humor und brutaler Gewalt mag zwar für "Forsthaus Falkenau"-Fans zu arg sein, wir "Sopranos"-Aficinados sind aber hart getroffen. Was bleibt uns noch? Nur so nettes, belangloses, oberflächliches Serienfastfood wie "Sex and the City" oder "Friends"? Tony, du fehlst mir schon jetzt.


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