SPIELPLAN

Kultur | PETRA RATHMANNER | aus FALTER 18/03 vom 30.04.2003

Es soll vorkommen, dass Männer sich in Ziegen verlieben. Was aber, wenn das Tier nicht als Metapher für eine etwas zickige Geliebte, sondern wörtlich gemeint ist? Diesen Ernstfall - die Liebe eines Mannes zu einem Vierbeiner - bringt Edward Albee in seinem neuen Stück "The Goat, or who is Sylvia?" zur Sprache. In aller Ernsthaftigkeit und ohne Schlüpfrigkeit wird Sodomie als neue Spielart im weiten Feld der Ehebruchs- und Eifersuchtsdramen verhandelt. Mit dem Tabubruch hat Albee im Vorjahr einen Sensationserfolg am New Yorker Broadway gelandet; die europäische Erstaufführung ist nun in Vienna's English Theatre zu sehen. Von dem pikanten Stück ist auf der gediegenen Bühne allerdings nur ein laues Lüfterl zu spüren - so staubtrocken und stocksteif wird hier gespielt: Dem onkelhaften Ehebrecher nimmt man den tierischen Seitensprung nicht ab, der ziemlich beherrschten Ehefrau glaubt man das blutrünstige Ende nicht, und dem weinerlichen Sohn kauft man die pubertäre Liebesverwirrung


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