Das Gesetz der Serie

Kultur | MICHAEL LOEBENSTEIN | aus FALTER 18/03 vom 30.04.2003

FILM. "X-Men 2" ist eine positive Überraschung: kein Aufguss einer bewährten Formel, sondern ein Blockbuster mit düsteren Untertönen. 

Ein Phänomen der jüngeren Blockbusterkultur ist ihre schamlose Orientierung hin zum seriellen Prinzip des Fernsehens. Der einzelne Film fungiert dabei bloß als Glied einer Kette von Erzählungen, die sich über alle Medienkanäle ausbreiten - Literatur, Popmusik, Games, Websites, TV und DVD-Verwertung. Dabei verliert der Kinofilm seine geschlossene Gestalt, um oftmals - einem Pilotfilm im Fernsehen vergleichbar - zur bloßen Exposition oder zum Appetitanreger auf die nächste Staffel zu verkommen. Dieses Problem haben "Star Wars", "Lord of the Rings", aber auch "Spider-Man" und der erste "X-Men" (2000) gemeinsam: Es braucht einmal gut zwei Stunden Erzählzeit, um die Charaktere und möglichst viel Konfliktstoff zu etablieren - wohin sich das alles entwickelt, entscheidet dann der Kassenerfolg; das Sequel selbst sieht man erst ein bis drei Jahre später.


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