Agitprop der Heiterkeit

Kultur | MICHAEL OMASTA | aus FALTER 18/03 vom 30.04.2003

FILM. Mit rund fünfzig Werken liefert die Retrospektive "Singen und Tanzen im Film" den beschwingten Nachweis, dass das Musical kein Hollywoodmonopol ist. 

Am Anfang setzt es ein Donnerwetter. Regen prasselt an diesem heißen Sommermorgen hernieder, verwandelt eine verdorrte russische Landschaft in dampfendes Grün. Zwei junge Leute, blond und entrückt, schwören einander Treue und ewige Liebe. Dann greift der Junge zu seiner Gitarre und singt ein Lied; die Musik begleitet den Heimweg der beiden, eine rasante Fahrt auf dem Moped zurück in die Stadt. - Inmitten einer Schlacht, der junge Mann ist zur Armee abkommandiert worden, tauchen die Erinnerungen an diesen Morgen wieder auf: zwischen Granatfeuer und aufsteigenden Rauchschwaden - noch einmal jener Liebestaumel.

  "Romans o wljublennych" heißt dieser merkwürdige, verstörende Film, den Andrej Kontschalowski anno 1974 in 70-mm-Sovscope realisiert hat: "Romanze für Verliebte", ein Werk, das sogleich einiges über die Programmatik


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