Die Kunst trägt schwarz

Kultur | NICOLE SCHEYERER | aus FALTER 18/03 vom 30.04.2003

KUNST. Die Ausstellung "Trauer" im Atelier Augarten präsentiert differenzierte Versuche der Gegenwartskunst, Verlusterfahrungen in Bilder zu fassen. 

Der holländische Konzeptkünstler Bas Jan Ader verschickte 1970 Postkarten an Freunde, die ihn selbst weinend zeigten. Das Bild hatte er mit dem Satz "I am too sad to tell you" überschrieben. Der Satz lehnt Fragen nach dem Grund der Tränen ab. Er bringt eine wesentliche Eigenschaft des Verlusterlebnisses auf den Punkt: die Lähmung der Ausdrucksfähigkeit. Die Ausstellung "Trauer" im Atelier Augarten zeigt nun den Film zur Postkarte und fragt, welche Bilder die Gegenwartskunst für die schwer darstellbare Emotion parat hält.

  Dreieinhalb Minuten weint der Antiheld Ader schmerzvoll in seinem 16-mm-Stummfilm. Wäre die Szene kürzer, könnte sie auch aus einem französischen Spielfilm stammen. Wo jedoch das narrative Kino zur Identifikation und zum Mitweinen herausfordert, stimmt Traurigkeit in der Kunst eher nachdenklich. Die weinenden


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