SPIELPLAN

Kultur | KARIN CERNY, PETRA RATHMANNER | aus FALTER 19/03 vom 07.05.2003

Der Schauspieler, Regisseur und Dramatiker Volker Schmidt, Jahrgang 1976, ist gerade sehr fleißig. "Unter Fischen" hat den Autorenwettbewerb des Linzer Theater Phönix gewonnen, im Theater der Jugend hat Tina Lanik seine sympathische Shakespeare-Paraphrase "Ritchy 3" uraufgeführt, jetzt folgte am dietheater Künstlerhaus sein dritter Streich: "Himalaya". Das Problem des (vom Autor selbst inszenierten) Stücks ist, dass es Schmidt diesmal zu gut meint: Ich hätte eine Idee für vier Stücke, schaffe es aber in einem. Zwischen Gothic Novel im New-Economy-Gewand, klassischem Familiendrama, Umweltschutzfarce und Thriller zieht sich die Aufführung eher schleppend dahin. Eine moderne Variante der Addams Family (die elfjährige Tochter spielt König Ödipus' Selbstblendung mit Puppen nach!), die durch ein "normales" Kindermädchen völlig aus dem Häuschen gerät, könnte ziemlich lustig sein. Doch leider genügt Schmidt lustig nicht.

  Lust auf ein aberwitziges Politspektakel? Dann ab ins Wirtshaus! Unter dem Titel "Die Populisten" veranstaltet die Gruppe W.U.T. im Gasthaus Sperl eine Art Wahlkampf. Grundlage für zwei Stunden herrlich abstruse Politikerreden liefern zwei Satiren des Aristophanes, die den Populismus antiker Demagogen zum Inhalt haben. Angereichert wird der Abgesang auf die Demokratie durch dummdreiste Zitate aus Reden von George Bush sowie weinerliche Songtexte von Franz Morak. Dreimal werden die Zuschauer, die an den langen Wirtshaustischen Platz nehmen und ein leckeres dreigängiges Menü verzehren, zur Wahlurne gebeten. "O Volk, o schräge Metapher, du bist bloß ein Mehrheitsbeschaffer", heißt es dann - und man wird Zeuge von offenem Wahlbetrug, sinnlosen Blitzumfragen und wie der Wählerwille als eine Art antikes Orakel gedeutet wird. Ein Abend für Politikverdrossene.


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