STREIFENWEISE

Kultur | MICHAEL LOEBENSTEIN | aus FALTER 19/03 vom 07.05.2003

Otpor" ist serbisch und bedeutet "Widerstand". Slogan und Logo der unabhängigen serbischen Widerstandsbewegung gleichen Namens stehen im Zentrum der Serbischen Dokumentarfilmreihe, die Cirofilm und Schikaneder Kino vom 9. bis 16. Mai veranstalten. Das Zeichen der geballten Faust ("fünf Finger, gemeinsam vereint"), das von Hunderten jungen Menschen in Nacht-und-Nebel-Aktionen auf die Häusermauern von Belgrad bis Novi Sad gesprayt wurde, hat mit dazu beigetragen, dass Diktator Slobodan MilosÇevic´ im Winter 2000 zurücktrat und vor mehr als zwei Jahren verhaftet wurde. "Otpor - The Fight to Save Serbia" von Goran Radavanovic´ ist eine einstündige Videochronologie der Bewegung und vermittelt einen von utopischer Aufbruchsstimmung geprägten Eindruck einer der größten zivilgesellschaftlichen Auflehnungen Europas: Demos, kreativer, gewaltfreier Aktionismus und zuletzt ein "Druck von der Straße", dem selbst das NATO-Bombardement der serbischen Hauptstadt nichts mehr von der Eigendynamik nehmen konnte (Premiere in Anwesenheit des Regisseurs).

  Jener Angriff, das "Punishment", steht im Zentrum von Goran Rebic´s großartigem Dokumentarfilm gleichen Namens - auch drei Jahre nach seiner Uraufführung bleibt der Film des Wiener Serben konkurrenzlos in seiner differenzierten Analyse, der Wut, Verzweiflung, ja Intellektualität von Filmemacher und Protagonisten. International hochgelobt wurde auch die zweiteilige Doku "Anatomija Bola" (Anatomie des Schmerzes), eine Spurensuche nach der traumatischen Bombardierung; darüber hinaus zeigen die Veranstalter Dokumentar- wie Spielfilme, die das "Serbien nach MilosÇevic´" porträtieren und durch die Ermordung des Premierministers Zoran Djindjic´ zweifellos auf vermehrtes Interesse stoßen werden.


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