Kunst kurz

Kultur | NICOLE SCHEYERER | aus FALTER 19/03 vom 07.05.2003

Als sich Valie Export 1968 einen Karton mit zwei Löchern um den nackten Busen band und so das "Tapp- und Tastkino" eröffnete, rief das bei den Passanten zwar Lachen hervor, seither wurde jedoch immer die kritisch-feministische Dimension der Performance betont. In einem Video der Ausstellung "stadt in sicht. Neue Kunst aus Bratislava" im Künstlerhaus (bis 27.7.) läuft nun ein junger Mann in Hose mit einer rosaroten Schachtel um die Hüften durch die Straßen und fordert Vorbeikommende kichernd zum Hineingreifen auf. Diese witzige Paraphrase der 1975 geborenen Aneta Mona Chisa unterstreicht nicht zuletzt auch den Humor von Exports Aktion. Als Geschmacklosigkeit empfanden einige der Vernissagengäste nicht den Griff in die Leistengegend, sondern einen Film von Magda Tóthová, in dem ein Mädchen leidenschaftlich die Büste eines bärtigen Mannes küsst: Es handelt sich um Lenin - übrigens die einzige Referenz auf den ehemaligen "Ostblock". Wenn mit den zwanzig Beteiligten der Schau wirklich so etwas wie eine Szene abgebildet wird, dann können für die Pressburger die Attribute frech, leichtfüßig und sexy vergeben werden.

  Begleitend eröffnet am 14. Mai in der Künstlerhaus-Passagegalerie das von den Architekten AllesWirdGut gestaltete "Café Bratislava", das täglich von 17 bis 2 Uhr Getränke, Djs und Live-Bildschaltung in die slowakische Hauptstadt bieten wird. Zu einem noch nicht feststehenden Zeitpunkt im Juni findet dann noch mit einer Ausstellung von slowakischen Künstlern im Wiener Donauturm und von Österreichern im Fernsehturm von Bratislava ein Kunstaustausch statt.


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