Fragen Sie Frau Andrea: U5

Stadtleben | aus FALTER 19/03 vom 07.05.2003

Liebe Frau Andrea,

ich wohne nun seit Oktober 2002 studienbedingt mehr oder weniger ständig in Wien, bin jedoch noch immer nicht dahinter gekommen, warum es in Wien fünf U-Bahn-Linien gibt, aber keine U5, sondern gleich nach der U4 eine U6. Wissen Sie warum?

Danke für Ihre Hilfe,

mit freundlichen Grüßen,

Martin

Lieber Martin,

die tragische Geschichte der Linie U5 würde Bände füllen. Eine lückenlose Darstellung würde das Konzept dieser Kolumne sprengen. Im Zuge der U-Bahn-Planungen gab es immer wieder Pläne für eine Linie U5, die aus verschiedensten, meist finanziellen Gründen immer wieder zurückgestellt wurden und nie zur Ausführung kamen. Die ursprünglich vorgeschlagene Streckenführung der U5 hätte Hernals, die Alser Straße, den Schottenring, die Taborstraße, den Praterstern und die Ausstellungsstraße mit dem Stadion verbunden. Als klar war, dass die Linie nicht in vollem Ausmaß realisierbar war, wurde umgeplant: Der Abschnitt Praterstern-Stadlauer Brücke wurde in einen Ast der U1 verwandelt, der Abschnitt Schottenring-Praterstern ad acta gelegt. Die restliche Strecke (Schottenring-Hernals) sollte als Ast der Linie U4 mit der geheimnisvollen Bezeichnung U4A betrieben werden. Die dadurch frei werdende Liniennummer U5 fiel daraufhin an die Streckenführung Längenfeldgasse-Gürtel-Südbahnhof-Schlachthausgasse-Erdberg, die unterirdische Straßenbahn am Südgürtel. Nun wurden aber auch diese Pläne aus Kostengründen verworfen. Als die Planungsarbeiten für das engere Grundnetz begannen, gab es also keine Linie U5 mehr. Der Endausbau der U2 wird allerdings aus Ästen der ursprünglich geplanten Linien U2 und U5 bestehen. Die ursprüngliche Linie U5 hat somit das ironische Schicksal, gebaut zu werden, aber nicht auf dem Liniennetzplan aufzuscheinen.

Elektromailen auch Sie Ihre Fragen Frau Andrea: dusl@falter.at


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