STANDPUNKT: Abgang des Paten

Politik | aus FALTER 20/03 vom 14.05.2003

Am Schluss haben Sie ihn im grauen Haus am Fensterkreuz gefunden. Aufgehängt an seinem Gürtel. Jeremiasz Baranski, der polnische Pate, durfte den Riemen in der Zelle behalten, da er "nicht selbstmordgefährdet" gewesen sei. Dass er ein paar Wochen zuvor Putzmittel getrunken hatte, sei kein Anzeichen für einen Selbstmord gewesen, sagt das Justizministerium. Die Akte Baranski kann geschlossen werden. Da gibt es zwar noch einen sechsseitigen Abschiedsbrief, in dem der mutmaßliche mehrfache Mörder und Schmuggler eine Menge Polizisten mit Korruptionsvorwürfen belastet, doch das sind Peanuts. Baranskis Fall - über den der Falter ausführlich berichtete - bietet schon jetzt ein Sittenbild, wie der Staat im Kampf gegen das organisierte Verbrechen korrumpiert werden kann. Ein Mafiapate wurde jahrelang von der Polizei als V-Mann bezahlt, gedeckt und schließlich auch noch dann begünstigt, als er unter dem Verdacht stand, ein polnisches Regierungsmitglied ermordet und eine Staatsanwältin verstümmelt zu haben. Er bekam sensible Polizeiinfos und konnte noch im Gefängnis heimlich telefonieren. Drei Beamte wurden zu teilweise empfindlichen Haftstrafen verurteilt. Aufgeklärt, das muss einmal betont werden, hat den Fall Ernst Strassers neue, interne Kontrolltruppe. Wenn die "Säuberung" im Ministerium so aussieht, kann es allen nur recht sein. F. K.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige