STREIFENWEISE

Kultur | MICHAEL LOEBENSTEIN | aus FALTER 20/03 vom 14.05.2003

Trotz seiner Männerdominiertheit hält das Kino ein großes Potenzial ambivalenter, nichthegemonialer Geschlechts- und Lebensentwürfe bereit; forschen seit Anbeginn der Kinematographie Frauen über seine gesellschaftlichen und ästhetischen Implikationen. "Screenwise", eine von SYNEMA organisierte, international besetzte Konferenz über "Standorte und Szenarien der zeitgenössischen feministischen Film- und TV-Wissenschaften", widmet sich genau diesen Fragen nach Geschlecht, Identität und politischer Arbeit auf und vor der Leinwand bzw. hinter der Kamera. Ein Wochenende lang (15. bis 18.5.) gibt es im Project Space der Kunsthalle am Karlsplatz Vorträge, Podiumsdiskussionen und Workshops zu Themen wie feministische Filmpraxis, Genrekino und Identitätsentwürfe, queere und lesbische Gegenöffentlichkeit, aber auch zu Fragen weiblicher Kuratoren- und Forschungsarbeit im Kunst- und Wissenschaftsbetrieb zu hören. Das Angebot ist groß und thematisch enorm spannend; zu den österreichischen Theoretikerinnen und Künstlerinnen gesellen sich hochkarätige Gäste aus dem Ausland.

  Dazu passend präsentiert das Filmmuseum im selben Zeitraum in der Sonderreihe "Bilderlust" sowohl Klassiker als auch unbekannte Beispiele feministischer Filmarbeit. Das reicht von explizit theoretisch inspirierten Arbeiten von der Britin Laura Mulvey ("Amy!") über die aktivistischen Filme von Su Friedrich, Valie Export oder Pola Reuth ("Kool Killer") bis zu den flirrenden Geschlechtsentwürfen des Hongkonger Martial-Arts-Kinos der Siebziger ("Ai nu", eine Wiederentdeckung aus dem Repertoire der legendären Shaw Brothers Studios). Zum Teil sind die Filmemacherinnen anwesend; nähere Informationen finden sich im Falter-Programm.


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