Stadtrand: Buticken-Geräusche

Stadtleben | aus FALTER 20/03 vom 14.05.2003

Was die Welt unbedingt noch gebraucht hat, sind DJs, die an Samstagen Boutiquen und Geschäfte zimmerlautstark beschallen. Irgendwer hat nämlich mal herausgefunden, dass Musik das Kaufverhalten unmündiger Konsumenten beeinflusst. Darum installierte man in Supermärkten und Kaufhäusern winzige Lautsprecherboxen, aus denen kaum hörbar verkaufsfördernde Tunes plätschern: "Kaufhausmusik" eben. Das gleiche System wird benutzt, um Menschen das Liftfahren zu erleichtern ("Fahrstuhlmusik") oder die Wartezeit auf Flughäfen zu verkürzen ("Music for Airports"). Doch den richtig hippen Boutiquen war die "Kaufhausmusik" offenbar zu wenig, sie stellten Soundanlagen, Plattenspieler und Boxen auf, buchten richtige DJs und funktionierten vor allem trendige Modeshops zu Clubs um ("Buticken-Geräusche"). Irgendwie dürfte das lärmempfindlichen Entscheidungsträgern dann doch zu laut gewesen sein. Und deshalb dürfen die hippsten DJs in den hippsten Geschäften halt meist nur in Zimmerlautstärke auflegen, was das ganze affige Clubkulturgetue wieder ganz schön ad absurdum führt. Im Prinzip könnte man in den Shops auch gleich statt "Kaufhausmusik" CDs mit "Buticken-Geräuschen" spielen. Das wäre wahrscheinlich sogar glaubwürdiger.

C. W.


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