VOR 20 JAHREN IM FALTER

Vorwort | aus FALTER 21/03 vom 21.05.2003

Als das Café Engländer noch Café Windhaag hieß und warme Küche aus dem vis-à-vis gelegenen Koranda hatte, dem heutigen Plachutta, das früher einmal Sommer hieß, kurz in jener guten alten Zeit, die 1983 ganz neu war, lebte ein Schauspieler namens Helmut Qualtinger. Er rezitierte gerade, begleitet vom Pianisten Hans Kann, im Schauspielhaus das Stück "Der konfuse Zauberer" von Johann Nestroy. Es war ein Ereignis im Sinn des Theaters der Dichtung von Karl Kraus: "Wenn Qualtinger liest, sitzt er allein auf der Bühne an einem Tisch. Er verwandelt sich von einer Rolle in die andere, mit gesprochenen Szeneanweisungen, mit einer Handbewegung macht er den Schauplatz zum Garten, zum Gewölbe, zum Restaurant. Inmitten dieses Verwandlunsgzaubers bleibt Qualtinger er selbst, ja nur weil er es bleibt, findet der Zauber statt. Wenn er liest: ,Der Vorhang fällt' und sich schwermütig zum Applaus erhebt, sind eineinalb Stunden wie im Flug vergangen, und man hat einen Nestroy gesehen, den man sich vorstellen musste, also den besten, den man sich vorstellen kann." Manche Interviews hat man schon vergessen, ehe man sie gemacht hat; jenes mit Qualtinger hat man sich gemerkt. Deshalb gibt es das nächste Mal Auszüge daraus. Hier nur Qualtingers Begründung des Treffpunkts (er befand sich in einer trockenen Phase): "Das hier ist ja eines der wenigen Lokale, die noch richtige Schartner Bomben haben. Sonst gibt's sie's ja nur vom Fass und die ist nicht zum Saufen. bei der Flasche ist die Form erstens schön und zweitens war's gut, deswegen sind's ja pleite gegangen." A. T.


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