SPIELPLAN

Kultur | PETRA RATHMANNER | aus FALTER 21/03 vom 21.05.2003

Von Georg Büchner kann man eigentlich nie genug bekommen. Schön, dass dieser Tage gleich drei Inszenierungen zu sehen sind: Ein echter Spaß ist die Wiederaufnahme der W.U.T.-Produktion "Dantontod" im Ensemble Theater, die das blutrünstige Revolutionsdrama im Schnelldurchlauf zeigt. Nur zwei Darsteller, Anselm Lipgens und Wolfgang Müllner, spielen alle Rollen und sind mit dem ganzen Stück in etwas mehr als einer Stunde durch. Jeder Rollenwechsel passiert so schnell, wie man einen Hut und ein Hemd wechseln kann; als Bühnenbild genügt ein einfacher Tisch, der sich sogar in eine Guillotine umbauen lässt. Ein wenig ins Schleudern kommen die beiden lediglich bei den Monologen, da fehlt es dann doch etwas an Tiefgang. Aber sonst: ein durchaus kurzweiliger Abend.

  Wie zäh das grandiose Stück "Dantons Tod" werden kann, wenn ein Ensemble damit heillos überfordert ist, erlebt man im Theater Scala: Die Französische Revolution von 1789 verlegt Regisseur Bruno Max kurzerhand in die Pariser Studentenrevolte der Sechzigerjahre. Die Rockmusik ist auf der Seite Dantons (Thomas Lackner), der zerknautscht und in Turnschuhen gegen den biederen, streng gescheitelten Bürger Robespierre (Hermann Kogler) antritt. Das ist zwar ganz witzig gedacht, aber man nimmt den Schauspielern in keinem Moment ihre Rolle als Revoluzzer ab.

  Auch die Liebeskomödie "Leonce und Lena" im Ensemble Theater ist ein Beispiel dafür, dass bei beträchtlichem Aufwand manchmal nur ein bescheidenes Ergebnis herausschaut: In wunderbar schillernden Fantasiekostümen (Martina Tscherni) tappen die Figuren ziemlich verschlafen durch die lahme Inszenierung. Regisseurin Michaela Scheday hat zwar mit viel Liebe fürs Detail einige gelungene Momente entwickelt, aber darüber womöglich den Blick für das Ganze verloren. Der Diener Valerio wird von Ursula Strauss als eine Art Fantasiewesen gespielt, irgendwo zwischen Mann und Frau angelegt. Wozu das gut sein soll, lässt sich anhand der Aufführung nicht erklären.


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