STREIFENWEISE

Kultur | MAYA McKECHNEAY, DREHLI ROBNIK  | aus FALTER 21/03 vom 21.05.2003

Zu Beginn und am Ende von "The Hunted - Die Stunde des Jägers" zitiert Johnny Cash aus Bibel und "Highway 61"; dazwischen zitiert William Friedkin aus lichteren Momenten seiner Regielaufbahn: Ein US-Elitesoldat leidet an Gräuelvisionen vom Einsatz im Kosovo 1999, die an die Albtraumsequenz aus "Der Exorzist" erinnern (und an jüngere TV-Bilder); eine Verfolgungsjagd im Schnellbahnzug gemahnt an "French Connection". Solche erinnernde Ablenkung ist nicht unwillkommen: Das Vater-Sohn-Drama vom Exsoldat und Psychokiller (Benicio Del Toro) auf der Flucht vor seinem Exausbildner und Waldseppl (Tommy Lee Jones) neigt zu erzählerischer Wirrnis und beschwört Momente knorriger Männlichkeit: Wunden lecken an Bruder Wolf, Method-Acting-geschultes Kotzen, Messerschmieden und Faustkeilbasteln für den Showdown. Zwei seelenwunde Fallensteller in Stadt, Forst und Wasserfall - das ist wie "Gangs of New York" auf Waldlauf durch unsere Hektomatikwelt oder auch "Rambo auf der Flucht".

  Inszenierte Männlichkeit der subtileren Art bietet da "25th Hour", dessen deutscher Titel, "25 Stunden", wie so oft ein sprachliches Missverständnis ist: Schließlich dreht sich Spike Lees Drama um jenen Überhang eines Tages, in dem Visionen, ungenutzte Potenziale und nichteingeschlagene Wege Platz finden - eben jene (virtuelle) 25. Stunde. Im Fall des New Yorker Drogendealers Monty Brogan (Edward Norton), handelt es sich möglicherweise um die letzte dieser Stunden, bleibt ihm doch vor einem langjährigen Gefängnisaufenthalt nur noch ein Tag in Freiheit. Als brothers in despair an seiner Seite: Philip Seymour Hoffman als täppisch-sanfter Highschoollehrer, der den Reizen einer Schülerin erliegt, und Barry Pepper als Zwangszyniker von der Wallstreet.


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