Himmelblaue Neurosen

Kultur | MAYA McKECHNEAY | aus FALTER 21/03 vom 21.05.2003

FILM. Paul Thomas Andersons melancholische Komödie "Punch-Drunk Love" schafft es, der Summe unserer Alltagsängste ein Happy End zu verpassen. 

Viel zu breite, leere Straßen in der Industrievorstadt, Supermarktparkplätze, eine zum Büro umfunktionierte Betongarage: Die Räume, in denen Paul Thomas Andersons "Punch-Drunk Love" angesiedelt ist, sind Räume der Vereinsamung - kalt, abstoßend, unpersönlich. Das Genrekino liebt solche Orte als Kulisse für Figuren, die ebenso kalt sind, harte Burschen in einer harten Welt, die ihren Zynismus wie einen Schutzschild vor sich hertragen.

  Und jetzt kommt P.T. Anderson und setzt in dieser feindseligen Umgebung einen gewissen Barry Egan aus - sozusagen den Gegenentwurf zu all den Zynikern der 1990er-Jahre: einen kleinen Geschäftsmann, der es allen recht machen und dabei möglicherweise selbst noch ein bisschen glücklich sein will, der seinen Mitmenschen vertrauensvoll seine softe Seite entgegenreckt und zum Dank immer wieder kräftig gebissen


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