Aufgeblättert

GERHARD STÖGER | Kultur | aus FALTER 21/03 vom 21.05.2003

Lang Zeit war der deutschsprachige Popdiskurs untrennbar mit dem Kölner Monatsmagazin Spex verbunden, das bis Mitte der 1990er weitgehend eine Monopolstellung auf intellektuelle Auseinandersetzung mit Pop innehatte, die inzwischen aber in zweifacher Hinsicht verloren ging: Spex mutierte zu einem konventionellen Musikmagazin, während der Popdiskurs gleichzeitig ins Feuilleton und in die wissenschaftliche Auseinandersetzung Eingang fand (Stichwort: Cultural Studies). Der Reader "Popvisionen. Links in die Zukunft" ist ein gutes Beispiel dafür: Entstanden als spätes Produkt der Soziologietagung "Quo Vadis, Pop", finden sich hier 13 Texte, die im Spannungsfeld zwischen den jahrzehntelang propagierten "alten" Popmythen (radikale Ablehnung von Spießertum, Hedonismus als zentrales Lebensprinzip ...) und neuen Visionen, aber auch den Konflikten im Zeitalter von Internet, MP3 und Global Village angesiedelt sind. Bewusst heterogen angelegt, bewegen sich die kenntnisreichen Texte zwischen Kulturpessimismus,

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