Stadtrand: Haustürgeschäfte

Stadtleben | aus FALTER 21/03 vom 21.05.2003

Früher lief tagsüber zu Hause nur das Schichtarbeiter-Fernsehprogramm, wenn man mal krank war oder Schule schwänzte - wer tagsüber nicht daheim war, verpasste also nichts. Wer jedoch heute einmal - gezwungenermaßen oder freiwillig - wochentags die Wohnung nicht verlässt, weiß erst, was ihm alles entgeht: Haustürgeschäfte nämlich. Angeblich viel billigerer Strom vom Alternativanbieter, Gas im Sonderangebot. Oder fast gratis telefonieren ein Leben lang. Nur mal "schnell die günstigste Versicherung durchrechnen". Oder Kabelfernsehen mit Bonusheft. Selbst wenn man das alles schon hat oder das alles gar nicht braucht - die Haustürgeschäftemacher klingeln Sturm. "Wir würden gerne mit Ihnen über Gott sprechen", plärren Seelenfänger in die Sprechanlage, Abo-Keiler klingeln Sturm und locken mit tollen Versprechungen ("Sie bekommen auch einen Gratiskugelschreiber, wenn Sie unterschreiben"). Und wer das Haus nicht verlässt, um auf der Straße den Spendeneintreibern in die Arme zu laufen, der bekommt Besuch von besonders eifrigen Unterschriftensammlern. Früher lief werktagsüber im Fernsehen nur das Schichtarbeiterprogramm. Wer seine Ruhe haben will, sollte zwischen acht und fünf Uhr abends nicht zu Hause sein. C. W.


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