VOR 20 JAHREN IM FALTER

Vorwort | aus FALTER 22/03 vom 28.05.2003

Noch einmal Zitate aus dem Interview mit Helmut Qualtinger. In den Fünfzigerjahren war Qualtinger nächtens mit einer Leiter in Wien unterwegs gewesen und hatte von Geschäftsaufschriften das "U" entfernt, weil es als Buchstabe obszön sei und außerdem im Namen des "Schmutz- und Schund"-Bekämpfers, des Unterrichtsministers Felix Hurdes vorkomme. Angesprochen auf solche "practical jokes" sagte Qualtinger: "Das ist ja schon 30 Jahre her. Das ist uninteressant, solche Witze zu machen mit 55 Jahr. Die Leute begreifen ja erst in zweiter Instanz, was ich jetzt mache. Es erscheint jedes zweite Jahr ein Buch von mir, zwar in Deutschland, aber es liegt auch hier auf, ist nicht verboten (...) Es ist immer so: Warum spielt er nicht den g'schupften Ferdl ..." Auf die Frage, wie er die politische Entwicklung sehe (soeben hatte sich eine Koalition aus SPÖ und FPÖ gebildet!), antwortete Qualtinger: "Traurig. Ich hab das schon einmal gesehen. Ich bin 1928 geboren. 1934 in Wöllersdorf, es nannte sich Konzentrationslager, der Begriff war damals noch nicht so belastet, und im Lager gab es die Koalition zwischen verbotenen Nationalsozialisten und Sozialisten. Ich versteh's von den Jungen nicht, aber die haben's nicht miterlebt. Aber dass die Alten das nicht überzogen haben..." Auf die unausbleibliche Frage, wie man denn dagegen sein könne, riet er: "Partisanen. Stille Partisanen. Hinterlistig, feig, gemein..." Sonst müsse man halt emigrieren. Oder sich verstecken. Es gebe "gewisse Stellen in den Tauern, Höhlen..." Gottseidank wird eine Allianz zwischen SPÖ und FPÖ nie mehr wieder ein Thema! A.T.


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