Nachruf aufs Asyl

Politik | FLORIAN KLENK | aus FALTER 22/03 vom 28.05.2003

ASYLPOLITIK. Im Schatten der Pensionsreform setzt der Innenminister seine Asylreform um. Experten warnen vor den Auswirkungen: Selbst Folteropfer, die an Österreichs Grenzen um Asyl bitten, bekommen automatisch die Abschiebung. Österreich wird zum sicheren Trittland. 

Es könnte Burschen wie Ali erwischen. Mit 17 vor den Taliban geflüchtet, weil sie ihn - Kopf nach unten - an einen Baum knüpften, prügelten und vor seinen Augen den Vater töteten. Ali entkam. Schlepper karrten ihn, versteckt im Kleinbus, nach Osteuropa. Bis nach PetrzÇalka, der hässlichen Wohnburg Bratislavas. Dort, bei der Autobahn, die die Slowakei von Österreich trennt, ließen sie ihn aus dem Kofferraum. Ein Sprung über die Lärmschutzwand, rüber nach Kittsee, hinein ins Paradies. Die Soldaten nahmen ihn zwar fest. Doch Ali sagte "Asyl" und war gleich wieder frei.

  Es könnte auch die chinesische Familie treffen, die einmal mit nackten Füßen im spitzen Schilf des halb gefrorenen Neusiedler Sees feststeckte,


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