AUFGEBLÄTTERT

Kultur | MARTIN DROSCHKE | aus FALTER 22/03 vom 28.05.2003

Der Künstler gilt im Allgemeinen als überdurchschnittlich sensibel, es heißt, er lebt intensiver ... Demgemäß verwundert es nicht, dass Schriftsteller, wollen sie Lebenslinien nachzeichnen, die für eine ganze Generation gültig sind, einen Künstler als Hauptfigur wählen. Ulrike Kolbs Objekt-Artist Zott liegt im Koma, als sie ihm eine langjährige Freundin ans Krankenbett setzt. "Diese eine Nacht" hält die zeitweise Geliebte einen Monolog, in dem sie ihr und sein halbes Jahrhundert Leben rapportiert. Vera und Zott spiegeln jene Generation, der Ulrike Kolb, Jahrgang 1942, selbst angehört: geboren während des Krieges, Kindheit in der Trümmerlandschaft der Stunde null. Die Rückschau setzt in den Fünfzigerjahren ein, als sich beide erstmals begegnen. Seine Unangepasstheit gegen Moden jeder Couleur ist das Kapital seiner Kreativität. Er mag in weit weniger gesellschaftspolitische Fettnäpfchen getreten sein als sie in ihrer 68er-Phase, muss sich dafür aber gefallen lassen, im


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