KUNST KURZ

Kultur | NICOLE SCHEYERER | aus FALTER 22/03 vom 28.05.2003

Anfang der Dreißigerjahre war Marcel Duchamps "Großes Glas", dessen Herstellung für den Erfinder des Readymades acht Jahre mühevoller Kleinarbeit bedeutet hatte, in Tausende Stücke zerbrochen und davor nur ein einziges Mal ausgestellt gewesen - allerdings ohne die begleitenden Notizen, die Duchamp als integralen Bestandteil des Ganzen sah. In der von der Universität für angewandte Kunst nun im Heiligenkreuzerhof organisierten Ausstellung "Marcel Duchamp. Druckgrafik" (bis 7.6.) ist unter anderem die "Grüne Schachtel" zu sehen, mit der der Künstler 1934 sein Werk - quasi zersplittert - wiederauferstehen ließ: in der Reproduktion seiner Skizzen, Fotos und Aufzeichnungen. Anstatt einen Katalog zum Studium seiner Arbeitsweise zu veröffentlichen, zog Duchamp es vor, jede unleserliche Kritzelei minuziös faksimiliert in einer eleganten Box wieder aufzulegen. Duchamps Affinität zur Druckgrafik wird hier ebenso deutlich wie die gekonnte Selbstmythologisierung. Sein Mehrwert produzierendes Verweissystem zieht sich durch die gesamte Ausstellung. Lange nachdem der Künstler aufgehört hatte, "Kunst" zu machen, erinnerte er in den Editionen an seine frühen Triumphe: Wer weiß, ob er auch ohne diese Fülle an hübschen "souvenirs" so berühmt geworden wäre.

  Bis 31. August dieses Jahres besteht noch die Möglichkeit, sich um einen Förderpreis der Stadt Wien zu bewerben. Die Auszeichnungen in der Höhe von 4000 Euro werden an "bisherige hervorragende Gesamttätigkeiten" vergeben. Die Bewerber müssen seit mindestens drei Jahren in Wien wohnen und dürfen das vierzigste Lebensjahr noch nicht vollendet haben (Information unter Tel. 4000-84766).


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