ABGEFEDERTE REFORM: Zahlen die Jungen drauf?

Politik | Gerald John | aus FALTER 23/03 vom 04.06.2003

Diese Reform ist eine knallende Ohrfeige für alle jungen Leute", sagt der Pensionsguru Bernd Marin. "Die ganze Last wird auf die junge Generation abgewälzt", pflichtet ihm der Sozialforscher Wolfgang Mazal bei. "Schuld sind die vielen Abfederungen." Davon hat die Regierung auf Druck der Gewerkschaft einige eingebaut: Pensionisten, die sich in den nächsten Jahren aufs Altenteil zurückziehen, gleiten nun sanfter ins neue System. Aber was droht jenen Menschen, die erst in Rente gehen, wenn die Reform voll greift?

  Schlecht wird sich für die meisten Pensionisten von morgen auswirken, dass die Renten künftig aus dem Durchschnittseinkommen der besten vierzig statt der besten 15 Jahre berechnet werden. Leute mit kontinuierlichen Karrieren können laut den neuesten Regierungsplänen mit Abschlägen von acht bis zehn Prozent gegenüber dem derzeitigen Modell rechnen. Allerdings sind berufliche Unterbrechungen in der heutigen Arbeitswelt typisch - und die senken die Pensionshöhe. Alle anderen Verluste können die Pensionisten der Zukunft vermeiden, indem sie länger arbeiten. Die Chancen dafür stehen laut demographischer Prognose gut: In Zukunft erwarten die Experten sogar Arbeitskräftemangel. Im Gegensatz zu älteren Menschen, die kurz vor der Pension stehen, haben die Jungen auch lange genug Zeit, sich auf das längere Erwerbsleben vorzubereiten.

  So weit die Theorie. Marin und Mazal befürchten aber, dass wegen der Verwässerungen die Einschnitte für die Jungen viel tiefer ausfallen werden als vorgesehen. Die Effekte der Reform seien zu gering, sagt Mazal, um das System auf Dauer zu stabilisieren.

  Nicht alle Forscher teilen diese Meinung. "Die Prognosen fielen in der Vergangenheit viel zu düster aus", sagt Alois Guger vom Wirtschaftsforschungsinstitut. Guger geht von folgender Faustregel aus: Wenn jeder fünf Jahre länger arbeitete und zehn Prozent weniger Pension bezöge, wäre das System für dreißig Jahre saniert.


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