STREIFENWEISE

Kultur | MICHAEL OMASTA | aus FALTER 23/03 vom 04.06.2003

Tierschutzaktivisten befreien Schimpansen aus dem Labor, werden dabei mit einem Virus infiziert und mutieren binnen Sekunden zu Zombiekannibalen. "28 Days Later" erwacht in London ein verunglückter Fahrradbote aus dem Koma und findet eine (von digitaler Zauberhand) wie leer gefegte Stadt vor. Nur eine Hand voll schwer bewaffneter Partisanen hat die Epidemie überlebt: die farbige Selena, der beherzte Frank, die kleine Hannah - und ein paar Mann eines Armeestützpunkts bei Manchester (zu dem sich das Quartett beinahe vollzählig durchschlagen kann), die allerdings bereits derart unter Hormonstau leiden, dass sie sich von den "richtigen" Zombies kaum noch unterscheiden und das Gemetzel munter weitergeht. Regie bei diesem Unfilm führte Danny Boyle, ein Schotte, allerdings ist die Bildqualität noch ärmlicher als seine Inszenierung. In den Hauptrollen sind Cillian Murphy, Naomie Harris und Brendan Gleeson, der einzige Schauspieler weit und breit, zu sehen.

  Deutlich jünger, obwohl gerade siebzig Jahre alt geworden, nimmt sich der zweite "Kriegsfilm" der Woche aus: "Duck Soup", das Meisterwerk derer von und zu Marx. Artaud bezeichnete sie als surrealistisch wegen ihrer "integralen Zersetzung des Realen durch die Poesie". Das kann einem zu denken geben: Immerhin ergreift Groucho alias Rufus T. Firefly in Freedonia ("Land of the Spree and Home of the Knave") just im selben Jahr die Macht wie Hitler in Deutschland. Chico und Harpo sind feindliche Spione, Zeppo ist ein trotteliger Kammerdiener und Margaret Dumont, wie sonst auch, die stattliche Witwe, auf deren Vermögen es der Möchtegerndiktator abgesehen hat: "Wollen Sie mich heiraten? Hat er Ihnen Geld hinterlassen? Beantworten Sie die zweite Frage zuerst."


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