"Gute Ruh, gute Ruh"

Kultur | CARSTEN FASTNER | aus FALTER 23/03 vom 04.06.2003

WIENER FESTWOCHEN. Endlich auch in Wien: Christoph Marthaler rettet Franz Schuberts Liederzyklus "Die schöne Müllerin" vor der Verkitschung. 

Den Anfang macht das Ende: Agonie weit jenseits der Verzweiflung herrscht vom ersten Moment an, todtraurig und tief deprimiert stolpert eine kuriose Sänger- und Schauspielerschar über die Bühne und murmelt selbstvergessen vor sich hin: "Gute Ruh, gute Ruh! Tu die Augen zu!" Christoph Marthaler lässt in seiner Inszenierung von Franz Schuberts berühmtem Liederzyklus "Die schöne Müllerin" keinen Zweifel über den Ausgang des Geschehens aufkommen: Es wird bös enden! Wozu also noch die Hoffnung auf ein Happy End nähren? Der Wandersbursch wird seine Müllerin nicht bekommen, er kann es gar nicht, als archetypischer Vertreter romantisch unerfüllter Sehnsucht.

  1817 schrieb der Dichter Wilhelm Müller (1794-1827) seine "Schöne Müllerin": die Geschichte eines verliebten, aber chancenlosen Weicheis als "Liederspiel" in 25 Gedichten samt Pro-

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