AUFGEBLÄTTERT

MARTIN DROSCHKE | Kultur | aus FALTER 23/03 vom 04.06.2003

Angesichts seiner Gedichte stellt sich die Frage, warum man Matthias Kehle noch nie auf dem Siegertreppchen eines großen Lyrikwettbewerbs gesehen hat. Zwei unauffällige Verse aus "Farben wie Münzen", einem verbalen Bildband über das Lebensareal Provinz, lassen ahnen, warum. "Du gehst als hättest du / Boden unter den Füßen", sagt der Dichter und widmet sich dementsprechend ausnahmslos Themen, die der Exzentrik des hochkulturellen Mainstreams und des post-postmodernen Geniekults ums Schweben im sprachakrobatischen Raum entgegenstehen. Anhand konkreter Impressionen feiert Kehle das Einfache, die Bescheidenheit, das Verwurzelte, den "Aufruhr / der Kinder, die / ins Haus kommen sollen." Er stützt sich dabei auf vertraute Worte und deren Rhythmus, anstatt experimentierend Konventionen zu sprengen. Das Ergebnis liest sich, als habe da einer jenes poetische Konzentrat eines Alltags gewonnen, das der lyrische Zeitgeist am Markt nicht zulassen will, weil es ihm zu uncool ist.

  "Das Land

  298 Wörter       1 Minuten
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