Folgen des Falschen

Vorwort | RAIMUND LÖW | aus FALTER 24/03 vom 11.06.2003

AUSLAND. Trotz des Siegs im Irak laborieren die Regierungen Bush und Blair nun daran, dass sie den Kriegsgrund nicht finden. 

Sie sind drauf und dran, der "Emser Depesche", mit der Otto von Bismarck 1870 den Krieg gegen Frankreich herbeiführte, den Rang des bekanntesten gefälschten Kriegsgrundes der Geschichte abzulaufen: die irakischen Massenvernichtungswaffen, von denen seit Wochen selbst tausende amerikanische Soldaten keine Spur finden. Irakisches Giftgas und ein Atomprogramm hat es zweifelsohne einmal gegeben. Nur eben vor zehn Jahren, und nicht in den Monaten vor dem amerikanisch-britischen Einmarsch. Ganz so, wie die berüchtigte Depesche über den obskuren spanischen Erbfolgestreit tatsächlich existiert hat, mit der Frankreich so tief beleidigt wurde, dass Napoleon III. Preußen wunschgemäß den Krieg erklärte. Nur ihren Wortlaut hatte von Bismarck für seine Zwecke umgeschrieben.

  Der Vergleich mag für George Bush und Tony Blair beruhigend sein, denn Historiker bewerten


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