Gespenst Europa

Vorwort | ISOLDE CHARIM | aus FALTER 24/03 vom 11.06.2003

KOMMENTAR. Ein philosophisches Manifest zur Identität Europas macht Furore und ruft Kritik hervor. Weil es nicht richtig gelesen wird. 

Ein Gespenst geht um - das Gespenst Europa. Auf den Weg geschickt wurde es von einer philosophischen Internationale durch einen Text mit dem programmatischen Titel "Nach dem Krieg: Die Wiedergeburt Europas". Dieses Manifest, unterzeichnet von Jürgen Habermas und Jacques Derrida, erschien jüngst in der FAZ. Eine Reihe weiterer Texte ebenso namhafter Autoren (Richard Rorty, Umberto Eco und andere) variieren und ergänzen diesen ersten Text in anderen europäischen Qualitätsblättern. Insgesamt handelt es sich um einen Versuch, der von vielen Seiten bisher erfolglos unternommen wurde, nämlich die Verfassungsdebatte in Europa zu beleben. Umso erstaunlicher ist die teils schroffe Abwehr, die der Text bisher vor allem in Deutschland erfährt. Woran liegt das?

Es beginnt bereits beim Wort "Wiedergeburt". Wieso, fragt sich der Leser, bedarf Europa einer Wiedergeburt?


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