"Hoffnung aufgegeben"

Politik | GERALD JOHN | aus FALTER 24/03 vom 11.06.2003

PALAIS EPSTEIN. Leon Zelman kontert auf das "Falter"-Interview des Zweiten Nationalratspräsidenten Heinz Fischer. 

Mir tut es weh, wie er sich mir gegenüber benommen hat", sagt Leon Zelman: "Wir waren Freunde." Doch seit geraumer Zeit liegen Zelman, Leiter des Jewish Welcome Service, und Heinz Fischer, Zweiter Nationalratspräsident der SPÖ, im Clinch. Zuletzt brach der Konflikt auf, als Fischer dem Falter (22/02) ein Interview gab.

  Im Mittelpunkt des Streits steht das Palais Epstein. Zelman gebar einst die Idee, in dem frei gewordenen Ringstraßenbau - der Stadtschulrat zog aus - ein Haus der Toleranz zu errichten. Zahlreiche Spitzenpolitiker von SPÖ und ÖVP unterstützten das Projekt, doch Fischer, damals noch Erster Nationalratspräsident, war dagegen - und setzte sich durch. Ins geschichtsträchtige Epstein zogen Mitarbeiter des Parlaments ein. "Ich konnte mich nicht bewegen", verteidigte Fischer seine Entscheidung im Falter, "weil der Nationalrat beschlossen hatte, das Epstein zu nutzen. Es wurde ursprünglich von niemand anderem beansprucht."

  Diese Antwort erboste Leon Zelman. Schließlich könne man in den Zeitungsarchiven nachlesen: Noch lange bevor das Parlament sich das Epstein per Beschluss im Dezember 1998 einverleibte, ist über das Haus der Toleranz oder Geschichte bereits lebhaft diskutiert worden. Sogar ein Konzept gab es schon. Das im Auftrag des jüdischen Mäzens Gustav Ritter von Epstein erbaute Palais hält Zelman für ideal, weil es zwischen Parlament, Heldenplatz und den Museen liegt. Und weil ein Haus der Toleranz, gedacht als Museum, Archiv und Forschungsstätte, an diesem Ort "eine Verbeugung vor der Geschichte der Juden" darstellen würde.

  Die Hoffnung, dass daraus noch etwas werden könnte, hat Zelman aufgegeben. Von Fischer erwartet er sich schon gar nichts. Als ihm Zelman einmal eine Petition für das Epstein überreicht hatte, habe dieser geantwortet: "Willst du mich erpressen?"


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