Der Tranter-Effekt

Kultur | WOLFGANG KRALICEK | aus FALTER 24/03 vom 11.06.2003

WIENER FESTWOCHEN. Kasperltheater im Führerbunker: ein Porträt des australischen Puppentheater-Weltmeisters Neville Tranter, der im Schauspielhaus sein neues Stück "Schicklgruber alias Adolf Hitler" zeigt. 

Wenn der Kasperl dem Krokodil eine Tracht Prügel verpasst, durchschauen sogar Kleinkinder, dass das nicht "echt" ist. Trotzdem sind sie voll bei der Sache und versuchen den Kasperl durch Zurufe vor Feinden zu warnen ("Achtung, der Tintifax!"). Sie haben sich der Illusion des Theaters ergeben und "vergessen", dass der Kasperl und die anderen Figuren auf der Bühne nur Puppen sind.

  Das Puppentheater des Neville Tranter hat mit Kasperltheater nichts zu tun. Aber der Effekt ist derselbe: Obwohl die Manipulation offensichtlich ist - die zum Teil lebensgroßen Puppen werden von Tranter ganz offen bewegt und gesprochen -, nehmen wir sie als lebendige Figuren wahr. Neville Tranter ist ein Zauberer, der ohne Tricks arbeitet. Wahrscheinlich ist genau das sein Trick. "Komischerweise wird


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