STREIFENWEISE

Kultur | MICHAEL LOEBENSTEIN | aus FALTER 24/03 vom 11.06.2003

Mit mittlerweile mehr als eineinhalb Millionen Besuchern ist "Zona Zamfirova" in Serbien und Montenegro der bis dato größte Kassenerfolg des jugoslawischen Kinos. Das erklärt sich möglicherweise aus seiner naiven, ja geradezu realitätsfernen Fabel: Der Film des Kino- und TV-Veteranen Zdravko Sotra basiert auf einer bekannten Novelle des serbischen Volksautors Stevan Sremac (1855-1906), die wiederholt fürs Theater dramatisiert wurde. Ein vertrauter, ja ein "nationaler" Stoff: Sremacs romantische, im südöstlichen Nisch angesiedelte Geschichte um Zona, die Tochter des reichen Zamfir, und ihren Verehrer Mane gerät in der theatralisch anmutenden Kinoversion vor allem zur farbenprächtigen Ausstellung der Trachten, Gesänge und historischen Bräuche eines alten, orientalisch geprägten Serbiens, in dem Fuchs und Hase sich gute Nacht sagen und an dem die letzten fünfzig Jahre Kinogeschichte (auch Jugoslawiens) spurlos vorübergegangen sind.

  Nicht weniger kalkuliert "altmodisch" nimmt sich "Bruce Almighty", Jim Carreys Rückkehr ins Komödienfach, aus: Als Referenzpunkt für die kleinstädtische romantic comedy um einen großherzigen Tölpel auf Irrwegen dient wieder einmal Frank Capras "It's a Wonderful Life" (1946). Der Rest steht im Prospekt, also im Handbuch abgeschmackter Ideen für 08/15-Komödien mit "Herz": Bruce Nolan (Carrey), gefrusteter Fernsehmoderator, erhält von Gott persönlich (Morgan Freeman, wer sonst?) für eine Woche die Kräfte des Herrn, zuerst macht er allerlei Blödsinn, um dann am Ende geläutert in die Kleinstadtgemeinde und die Arme seines Frauchens (Jennifer Aniston in einer Wurzenrolle) zurückzukehren. Da kann sich Carrey, einer der begabtesten physischen Komödianten seit Jerry Lewis, noch so verbiegen - es nutzt nix, die falsche Frömmigkeit und klebrige Süße dieses Stangenfilmchens (Regie: Tom Shadyac) erdrückt jeden Ansatz von Originalität.


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