Stadtrand: Stadt der Nudlradler

Stadtleben | aus FALTER 24/03 vom 11.06.2003

Mit dem Radeln hat es der Wiener normalerweise nicht so - zumindest im Vergleich zu Radfahrmetroplen wie Amsterdam. Weil der Wiener hat es mehr mit dem Autofahren, schon wenn er seine in der Stadt nicht artgerecht gehaltene heilige Kuh stehen lassen und Bim fahren muss, kriegt er alle Zustände. Umso stolzer war die Radlobby, als sie verkünden konnte: Am Streiktag vergangene Woche waren 250.000 Menschen mit dem Bike unterwegs! Toll. Aber ihr habt vergessen dazuzusagen, WIE viele Amateurradler unterwegs waren. Nämlich entweder wie die ängstlichen Eierbären ungeschickt zwischen den Autos herumgurkend oder einfach dort, wo sie gar nicht hingehören: am Gehsteig. Völlig asozial und ärgerlich, wie sich die Sonntagsradler da aufgeführt haben - wer Rad fährt, damit er einmal im Jahr seinen Hintern nicht zu Fuß bewegen muss, gehört damit auf die Straße oder den Radweg. Sich zwischen Fußgängermassen durchzudrängeln und alte Omas vor sich herzujagen, ist echt keine Art. Vor allem, wenn man selbst aufs Radeln am Streiktag verzichtet hat, weil man sich in keiner Stadt außer Dornbirn mit Rad auf die Straße traut, und von der Marc-Aurel-Straße bis nach Ottakring Dutzenden Radfahrern ausweichen musste - alle zu feig zum Großstadtradeln. J. O.


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