Prost, Frau Bock!

Stadtleben | CHRISTOPHER WURMDOBLER | aus FALTER 24/03 vom 11.06.2003

SPENDEN. Wer jetzt in Lokalen Bier trinkt, hilft damit obdachlosen Flüchtlingen.

Eigentlich trinkt Ute Bock kein Bier. Die Frau kümmert sich seit Jahren nämlich lieber um obdachlose Flüchtlinge. Dafür wurde die Erzieherin mit Preisen (u.a. dem Dr.-Karl-Renner-Preis) geehrt, SOS-Mitmensch hat einen Menschenrechtspreis nach ihr benannt. Nun sind Ute Bocks Ersparnisse aufgebraucht. Aus diesem Grund startet jetzt eine groß angelegte Solidaritätsaktion für ihre Arbeit: In vielen Wiener Lokalen spenden die Gäste zehn Cent pro Bier - das Bock-Bier wurde quasi neu erfunden.

Was als kleines "Machma was" einiger Wohlgesinnter begann, weitete sich überraschend schnell zu einer großen Initiative aus. Die Unterstützungsaktion sei praktisch zum Selbstläufer geworden, erzählen die Initiatoren. Schnell sprach sich die Sache herum. Unzählige Szenewirte (siehe auch Kasten links) wollten bei der Bock-Bier-Aktion mitmachen. Weitere Wirte und Unterstützer, die sich am "Soli-Bier" für Ute Bock beteiligen wollen, möchten sich trotzdem noch weiter melden, heißt es.

Filmemacher drehten gratis Werbespots, Kodak spendierte Filmmaterial, die Homepage www.fraubock.at ging online, und täglich wollen mehr Menschen mithelfen, dass die Wiener "Mutter Courage" weiter mit Asylbewerbern arbeiten kann. Für Inserate ließ sich DJ Burstup genauso beim Biertrinken ablichten wie Schriftstellerin Elfriede Jelinek oder Filmemacherin Barbara Albert, Grafikerinnen arbeiteten umsonst für die Aktion und gestalteten Plakate, Flyer und Inserate, Medien - ja, auch der Falter! - schalten kostenlos Anzeigen für die Bock-Bier-Aktion. Kurz: Ab dem 13. Juni kommt keiner mehr um die zehn-Cent-Spende pro Seidl oder Krügel herum. Ganz Wien ruft "Prost, Frau Bock!", selbst wenn Ute Bock eigentlich gar keine Biertrinkerin ist.


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