Das Problem, "wir" zu sagen

ROBERT MISIK | Politik | aus FALTER 25/03 vom 18.06.2003

EU-KONVENT. Der zähe Stellungskrieg um die EU-Verfassung geht in die Endrunde. Europa wird transparenter, die Kommission stärker, das EU-Parlament wichtiger. Doch eine europäische Identität ist deswegen noch nicht entstanden. 

Es hängt eine seltsame Melancholie über Europa. Da ist, einerseits, die aufsehenerregende Initiative von Jürgen Habermas, Jacques Derrida und anderen, deren "ideenpolitisches Meisterstück" (Die Zeit) darin liegt, mit ihrem philosophischen Manifest für eine europäische Identität diese nicht nur einzufordern, sondern gewissermaßen auch zu belegen; da ist, andererseits, das Ohnmachtsgefühl, das aus Europas Niederlage im Streit um den Irakkrieg resultiert: Ist Europas Einheit, so die bange Frage, möglicherweise gerade in jenem Moment wieder gefährdet, in dem sie am nötigsten wäre? Oder kann die Erfahrung der inneren Lähmung der Union vielleicht gar produktiv gemacht werden, wie das die Optimisten beschwören: damit sich solches nicht wiederholt. Dann

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