PRESSESCHAU

Medien | EVA WEISSENBERGER | aus FALTER 25/03 vom 18.06.2003

Der Thermometerjournalismus ist eine schwierige Disziplin. Jedes Jahr dieselbe Wetterprosa: Die "Hitzewelle rollt", die "Bäder quellen über", die "Umsätze sprudeln", die "Kinder jubeln". Halbwegs originell meisterte heuer nur der Kurier die ersten Sommertage. Indem er auf Seite eins "36 Krügln im Schatten" abbildete. Die beste Hitzelyrik lieferte aber eindeutig der U-Express. Das aktuelle Seite-drei-Mädchen inspiriert die Untergrund-Autoren offenbar: "Jana kommt so schnell ins Schwitzen - heut kann sie nur noch nackig sitzen." Oder: "Heiß sind die Tage zurzeit in jeder Lage. Der Rock rutscht nach oben, das Kleid ist verschoben." Am drauffolgenden Tag: "Wenn Jana dem Wasser entsteigt, ein Staunen bei Männern sich zeigt: So hübsch und rank sie ist - ein Bikini wird nicht vermisst!" Ein noch eleganterer Reim: "Deshalb wird ihr jetzt ganz heiß: Zum Frühstück gibt es Himbeereis." Wie schwer das Verfassen solch kurzer Texte ist, zeigt ein Vergleich mit der Kronen Zeitung: "Als Sonnenanbeterin posiert Rosana nur für dieses Foto", stand dort am Freitag unter der Nackerten, "sonst bevorzugt die Schöne den Schatten. ,Mit meiner hellen Haut bekomme ich sofort einen Sonnenbrand', verriet sie uns." Gähn.


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