STREIFENWEISE

Kultur | MICHAEL LOEBENSTEIN | aus FALTER 25/03 vom 18.06.2003

Schon der Titel verrät den potenziellen Zusehern, wo's lang geht: "2 Fast 2 Furious" ist das Sequel zum B-Picture-Überraschungserfolg von 2001 und als solches "blader, fetter, lauter & a bisserl mehr" (Alkbottle) als sein Vorgänger - wobei "blader" eher "fett" wie in "Fett MTV" bedeutet, also viel HipHop-Musik, street slang, männliches Verbrüderungsgebaren und bikiniumspannter booty zum Abwinken.

Wo der erste Teil als straighter Autorennfahrer-Actionfilm zumindest Charme hatte, lässt Teil zwei unter der Regie von John Singleton ("Boyz N the Hood") leider schwer nach. Die Story um den Expolizisten Brian (ein steifer und ausdrucksarmer Paul Walker) und seine Undercovermission in der Unterwelt Floridas erinnert an eine überlange "Miami Vice"-Folge; die digital aufgemotzten Autorennen lassen, wie auch das Zusammenspiel des Ensembles (das überwiegend aus Models und R&B-Sängern besteht), jegliche Stimmigkeit und jeglichen Rhythmus vermissen.

  Weniger eilig, dafür umso stimmiger geht es das Kino des Taiwanesen Edward Yang (zuletzt: "Yi Yi") an. Yang gilt, gemeinsam mit seinem Landsmann Hou Hsiao-hsien, als bedeutendster Filmemacher des "neuen taiwanesischen Kinos" der Achtzigerjahre; kommenden Sonntag gibt es im Wiener Stadtkino die seltene Gelegenheit, das Opus magnum des Filmemachers, "A Brighter Summer Day" (1991), wiederzusehen - ein gewaltiges, mehr als dreistündiges Panorama einer Jugend in den Sechzigern der Militärdiktatur, des Exils und der Musik Elvis Presleys. Zum Auftakt des Kinosommers konnten die Veranstalter (Stadtkino und Synema) zudem noch den renommierten US-Filmwissenschaftler David Bordwell für einen Vortrag zum Film gewinnen - eine überaus rare Gelegenheit, taiwanesisches Kino im historischen Kontext zu sehen.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige