AUFGEBLÄTTERT

Kultur | KLAUS NÜCHTERN | aus FALTER 25/03 vom 18.06.2003

Der Kinderbuchautor und -illustrator Maurice Sendak, der dieser Tage seinen 75. Geburtstag feierte, hat mit seinem 1963 im Original und vier Jahre später auf Deutsch erschienenen "Wo die wilden Kerle wohnen" ein paar papierene Pädagogen perturbiert, die sich aber à la longue gegen das Buch nicht durchsetzen konnten. Der als Kind polnisch-jüdischer Einwanderer in New York geborene Sendak hat die Fantasien von Millionen von Kindern beschäftigt, weswegen er von den New York Times auch als "einer der mächtigsten Männer der USA" bezeichnet wurde. Bei Diogenes ist ein halbes Dutzend von Sendak verfasster und/oder illustrierter Bücher lieferbar, von denen nun drei neu aufgelegt wurden. "Herr Hase und das schöne Geschenk" ist für die jüngste Zielgruppe gedacht: Die "Story" ist simpel und - so wie auch die stumpffarbigen Aquarelle - ein bisschen fad. Pfiffiger schon "Das Zauberbuch", in der kindlichen Allmachtsfantasien (Bub nimmt in anderer Gestalt seine schnöseligen Zieheltern beim Kartenspielen aus) einige Nahrung geboten wird. Als das mit Abstand seltsamste und interessanteste Buch muss freilich "Higgelti Piggelti Pop!" gelten. Die Geschichte vom Hündchen Jennie, das auszieht, um Erfahrung zu sammeln und eine Rolle in "Frau Hules Welttheater" zu bekommen, ist ziemlich surreal, und seine fein gestrichelten Illustrationen lassen ein bisschen an Kubin, Klinger und Edward Gorey denken. Alter des Zielpublikums: nach oben hin offen.

Maurice Sendak:

Herr Hase und das schöne Geschenk. Text von Charlotte Zolotow. Aus dem Amerikanischen von Eva Matta. 40 S., E 14,30

Das Zauberbuch. Geschichte von Robert Ranke Graves. Aus dem Englischen übersetzt und bearbeitet von Ellen Jacobsen.

64 S., E 13,30

Higgelti! Piggelti Pop! Oder Es muss im Leben mehr als alles geben. Aus dem Amerikanischen von Hildegard Krahé. 80 S., E 15,40

(alle erschienen bei Diogenes/Zürich)


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