NÜCHTERN BETRACHTET: Röhrenunfug unterm Hotelzimmerfenster

Kultur | aus FALTER 25/03 vom 18.06.2003

Will man andeuten, dass etwas eigentlich völlig unnedig ist, stellt man die ausgesprochen rhetorisch gemeinte Frage: Wer braucht des? (Richtige Antwort: Niemand!) Stimmt bloß leider nicht. Irgendwer findet doch alles irgendwie super. Es gibt ja sogar Leute, die Long Island Ice Tea trinken oder "Sex and the City" schauen (meistens beides zugleich, denn ohne ordentlich Alkohol ist die New-York-Tussen-TV-Serie nicht einmal halblustig). Auch die Schunkelbrigaden, die den "Musikantenstadel" voll machen, sitzen sicher freiwillig in den Turnhallen dieser Welt, und irgendwo, irgendwo auf diesem überbevölkerten Globus gibt es gewiss jemand, der es mörderkomisch findet, wenn er zum entsprechenden Geburtstag ein T-Shirt mit der Aufschrift "Ich bin 40, helfen Sie mir über die Straße" geschenkt bekommt. Und dann gibt es noch die Mountainbiker, also Menschen, die in scheußlicher Kleidung durch Landstriche radeln, die weder für die Kleidung noch fürs Radeln gedacht sind, sondern dafür, aus schilf-, schlick- oder schlammfarbenen Rucksäcken (die heutzutage leider zusehends durch Farbtöne wie Mauve Brût Metallisé, Orange Ecstacy oder Badedas ersetzt werden) perforierte Aludosen zu holen, diesen ein kompaktes Stück totes Tier zu entnehmen und davon mittels eines Taschenfeitels auf einem Schneidbrett dicke Scheiben herunterzuschneiden und noch dickere Scheiben von unglaublich urigem Schwarzbrot damit zu belegen. Schon auf der Norwegerwiese haben Mountainbiker nichts zu suchen, wo sie aber definitiv niemals nie in tausend Jahren never ever etwas verloren haben, ist die Altstadt von Steyr. Dass pneumatisch aufgeschwollene Standln und atmungsinaktive Bierzelte den historischen Stadtplatz versauen, dass Männer in lächerlich tief ausgeschnittenen Trikots den Schlossberg runterzappeln, dass Sonntag um 7.30 Uhr direkt unter meinem Hotelzimmerfenster am Hauptplatz dröhnender Unfug mit Eisenrohren veranstaltet wird - das braucht echt kei-ne Sau!


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