Stadtrand: Tassen und Taschen

Stadtleben | aus FALTER 25/03 vom 18.06.2003

In New York zum Beispiel gehst du in eine schicke Boutique und die Verkäuferin sagt: "Hallo, ich heiße Susan und ich bin nur für dich da." Zugegeben, klingt übertrieben devot, aber dort ist der Kunde eben König. In Wien aber ist Kunde gleich Depp, nämlich Bittsteller - auch nicht schön. Vor allem nicht, wenn du in deinem geliebten italienischen Edeldesignerlädle vor einem Dreivierteljahr eine Geldkatze um schlanke 122 Euro erstanden hast, die jetzt schon einen kaputten Reißverschluss hat. Also gehst du in den neuen Furla-Shop und fragst die Verkäuferinnen A und B, ob sie das teure, aber offensichtlich qualitativ doch recht miese Teil reparieren lassen könnten. Nein, können sie nicht, weil Furla gebe nur sechs Monate Garantie. Die Chefverkäuferin C erklärt das nett, du darfst die Börse bei ihr abgeben, sie lässt sie günstig für dich reparieren - 17 Euro oder so wirst du halt leider dafür zahlen müssen. Du schaust genervt auf die neueste Furla-Tasche (um nicht mal 400 Euro) über deiner Schulter, denkst an die vielen hundert Euro, die du bereits in dem Laden gelassen hast und gehst. Später fühlst du dich als Weichei: Nie wieder Furla! Nie wieder sich fuchsen lassen von irgendwelchen Tassen wegen irgendwelcher Taschen! Nie wieder. Jetzt hilft nur noch stark bleiben.

J. O.


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