Bodenstoff

Stadtleben | THOMAS PRLIC | aus FALTER 25/03 vom 18.06.2003

HANDWERK. Bei Pa-Re produzieren Langzeitarbeitslose handgefertigte Woll- und Fleckerteppiche.

Es gab noch keine Computer, da steuerten findige Weber ihre Webstühle bereits mit Lochkarten. Noch heute stehen in der Weberei Pa-Re archaisch anmutende Webgeräte, denen mechanische Datenträger die Informationen über die richtigen Muster liefern. Auch sonst stellt die in einem Souterrain untergebrachte Meidlinger Werkstatt noch auf ganz traditionelle Weise Teppiche her. Seit mehr als hundert Jahren werden dort Wolle und Wäschereste zu bunten Teppichen verarbeitet.

Seit vier Jahren ist die Weberei ein so genannter sozialökonomischer Betrieb der Volkshilfe Beschäftigungsinitiativen (VHBI). Gefördert vom Arbeitsmarktservice werken hier seither 14 langzeitarbeitslose Frauen, die meisten davon Migrantinnen, an Spinn- und Nähmaschinen, an den Webstühlen oder in der Ausfertigung. Während ihrer einjährigen Tätigkeit sollen sie lernen, sich auf dem regulären Arbeitsmarkt zurechtzufinden. Dabei werden sie von einer Sozialarbeiterin betreut, die den Frauen bei der Anmeldung zu Sprachkursen, bei Behördengängen und bei der Arbeitsplatzsuche hilft. Im Schnitt kann der Betrieb achtzig Prozent der Frauen weitervermitteln.

Bei Bedarf wäscht und repariert die Werkstatt auch alte oder kaputte Teppiche. Weil man aber ein paar Aufträge mehr vertragen könnte, hat die VHBI nun eine PR-Aktion für den Betrieb gestartet: Aus Wäschestücken von Prominenten fertigen die Arbeiterinnen nach Entwürfen von Angewandte-Studenten Fleckerlteppiche. Im September sollen die Stücke der Öffentlichkeit präsentiert werden. Weblaien können sich einstweilen bei einem Betriebsbesuch zeigen lassen, wie aus fünf Kilo Wäsche ein Quadratmeter bunter Bodenbelag entsteht.

Pa-Re, 12., Längenfeldg. 29, Tel. 813 64 73, Di, Mi, Fr 8.30-17, Do 8.30-18 Uhr, www.pare.vhbi.at


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