TIER DER WOCHE: Massenmedium

Stadtleben | PETER IWANIEWICZ | aus FALTER 25/03 vom 18.06.2003

Seit vergangener Woche wissen wir nicht nur, dass es eine Mormonen-Grille (Anabrus simplex) gibt, sondern auch, dass diese im Westen der USA zurzeit massenhaft vorkommt. Eigentlich gab es in der Region auch in den letzten vier Jahren Massenvermehrungen dieser Insekten, die aber offenbar noch nicht jenen News-Wert hatten, der für eine Nachrichtenpräsenz jenseits des Atlantiks notwendig ist. Was zählt, sind die Bilder: Straßen, bedeckt mit Tausenden von Grillen. Da genügt dann schon eine kleine Bildunterschrift mit einem O-Ton einer Bewohnerin aus dem nordöstlichen Nevada: "It's yucky, you drive down the street and they pop like bubble wrap." Immerhin lernen wir ein nettes amerikanisches Wort für "ekelig" kennen. Was lernen wir noch daraus? Der ebenso unangenehme und erntevernichtende Befall von Baumwollfeldern mit der winzigen Roten Spinnmilbe wird es medienmäßig nie über die Lokalnachrichten hinaus schaffen.

Mormonen-Grillen gehören zu den Ureinwohnern Nordamerikas und waren schon


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