VOR 20 JAHREN IM FALTER

Vorwort | aus FALTER 26/03 vom 25.06.2003

Waren das Zeiten, als ein Falter-Kommentator Grüne noch mit der Aufforderung ärgern konnte, endlich eine Partei zu bilden! Hauptsächlich deswegen hatte der Falter ein langes Interview mit Erhard Busek ins Blatt gerückt. Der Anlass war dessen Aussage gewesen, als einziger Partner der ÖVP käme die ALW (Alternative Liste Wien) in Frage, die Vorform der heutigen Grünen. Jetzt kann ich es ja zugeben: Auf Buseks Aussage hin hatte ich wochenlang unter dem Pseudonym "Erhard Grün" Aufforderungen an die Grünen verfasst, endlich politische Gestalt anzunehmen, was mir aber von deren Seite hauptsächlich Polemik und Hohn eintrug.

  Während die Wiener und österreichischen Grünen dem gesellschaftlichen Bedarf trotzten und hartnäckig in Initiativen, Basisgruppen und Vorstadtbeisln verharrten, waren in der BRD die Grünen gerade ins Parlament gewählt worden. Albert Sellner, Redakteur des Frankfurter Realo-Organs Pflasterstrand (herausgegeben von Cohn-Bendit, Mitarbeit neben anderen: Matthias Horx), berichtete für den Falter von den ersten Tagen der deutschen Grünen im Bundestag. Weitsicht konnte man seiner "teilnehmenden Beobachtung" nicht absprechen. Über Otto Schilys Rede (damals war der Anwalt noch bei den Grünen) merkte er nachdenklich an: "Vor den Künsten des Topanwalts haben sogar die Rechten Respekt. Für Autorität sind sie empfänglich, und was Otto bei den Grünen oft Pein bereitet, im Plenarsaal wirkt es. Ob die Grünen wirklich wissen, was sie an ihm haben?" Heute hat ihn bekanntlich die SPD. A.T.


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