Angst und Demokratie

Vorwort | RAIMUND LÖW | aus FALTER 26/03 vom 25.06.2003

AUSLAND. Wie vor fünfzig Jahren setzen die USA aus Angst vor dem Außenfeind auch heute zivile Freiheiten außer Kraft. 

Der "New York Times" war der Jahrestag ein Editorial wert: Die Hinrichtung von Ethel und Julius Rosenberg gilt für das Blatt nicht nur als eines der schlimmsten Fehlurteile der amerikanischen Justizgeschichte, sondern auch als Warnung vor dem Unrecht, das geschehen kann, wenn eine Angstpsychose die ganze Nation erfasst. Der Bezug zur Gegenwart ist eindeutig. Das Ehepaar Rosenberg, Eltern zweier kleiner Kinder, war wegen Atomspionage für die Sowjetunion zum Tode verurteilt worden. Bis zum letzten Atemzug hatten die jungen Kommunisten ihre Unschuld beteuert. Als der Henker im Morgengrauen des 19. Juni 1953 in der Todeszelle des New Yorker Sing-Sing-Gefängnisses den Schalter zum elektrischen Stuhl umlegte, da demonstrierten Tausende am Times Square und Zehntausende in der ganzen Welt. Die USA hatten gerade im Koreakrieg Zehntausende Soldaten verloren, und man glaubte


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