STREIFENWEISE

Kultur | MICHAEL OMASTA | aus FALTER 26/03 vom 25.06.2003

Ein bisschen fühlt man sich an die Zeiten des guten alten Anti-Nazi-Films erinnert, als Europas bedeutendste Filmschaffende im Exil mit "kleinen Kackfilmen" (Friedrich Torberg) das ihre dazu beitrugen, den Grundstein zur großen Hollywoodversion des Zweiten Weltkriegs zu legen. "Bulletproof Monk" ("Der kugelsichere Mönch") ist ein ebensolcher Kackfilm, in dem die bösen Geister der Vergangenheit, personifiziert durch einen Rollstuhlnazi, einfach keine Ruh geben. Seit sechzig Jahren jagt er einer Schriftrolle hinterher, die ewiges Leben verspricht. Diese befindet sich in der Obhut eines tibetischen Mönches, der inzwischen nach einem geeigneten Nachfolger für seinen Job sucht. Er findet ihn in Kar, einem Taschendieb, der im "Golden Palace" die Kampfkunst studiert hat: einem vergammelten Kino, in dem ausschließlich Jackie-Chan-Filme laufen. Schauplatz des Streifens ist New York (Drehort: Toronto), John Woo einer der Produzenten. Ein Comic von Flypaper Press diente als Vorlage; der Star heißt Chow Yun-fat, seine Azubis geben Seann William Scott und Jaime King. Blöd wie Glückskekse, aber hat was.

  Ergiebiger dürfte ein von Siegfried Mattl und Drehli Robnik organisiertes Symposion der Österreichischen Gesellschaft für Zeitgeschichte werden, das sich unter dem Titel "Kamera-Kriege" den Beziehungen zwischen "moderner Kriegsführung und filmischer Gedächtnispolitik" widmet. Kunst, insbesondere in ihrer populärsten Ausformung, dem Kino, hat die hundert letzten Jahre Kriegsgeschichte in den unterschiedlichsten Weisen mitgeschrieben: von den "combat films" des Ersten und der Propaganda des Zweiten Weltkriegs bis zu den posttraumatischen "Bewältigungsversuchen" diverser Kriege durch verschiedene nationale Kinematografien. - Es referieren renommierte Filmwissenschaftlerinnen, Medientheoretiker, Kritiker aus Wien, Berlin, Hamburg und Amsterdam (Kunsthalle Wien/Lounge im MuseumsQuartier, von 26. bis 28.6.).


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